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Herkunftsland
Österreich
Region
Burgenland | Neusiedlersee
Anbaumethode
Handarbeit im Weinberg | Biodynamie nach Respekt- & Demeter-Richtlinien
Kellerarbeit
keine Enzyme & Reinzuchthefen | langer Ausbau im Holzfass | keine Anreicherung
Rebfläche
28 Hektar in Horitschon & Balf
Besonderheiten
vielfältige Bodenstrukturen | naturnahe Bewirtschaftung

Artikel des Produzenten Weninger

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Schon in grauer Vorzeit wurde von der Familie Weninger im kleinen Örtchen Horitschon, unweit des Neusiedlersees, ein Bauernhof bewirtschaftet und auf den Äckern mühevoll das Brot verdient. Weinbau war zu dieser Zeit lediglich ein Nebenerwerb. Gemüseanbau und Viehzucht waren der tägliche Verdienst. Also der klassische Mischbetrieb, wie man ihn im Burgenland überall vorfand. Das Gebiet gehörte historisch seit dem Mittelalter zum Königreich Ungarn und ab dem 16. Jahrhundert ja sowieso zur Habsburger k.u.k.-Monarchie. Die im ungarischen Burgenland lebenden deutschen Bauern wurden Ponzichter (Bohnenzüchter) genannt, was auf die Ackerfrüchte zurückzuführen ist, die die Vorfahren der Weningers zwischen den Rebzeilen anbauten. Aus dem klassischen Mischbetrieb im ungarischen Burgenland entwickelte sich im ausgehenden 20. Jahrhundert ein waschechter Weinbaubetrieb. Mittlerweile war der Teil des Burgenlands, in dem das kleine Örtchen Horitschon liegt, österreichisch geworden und der Neusiedlersee war Grenzgewässer zu einer anderen Welt – dem Ostblock. Wir schreiben das Jahr 1982. Direkt am Eisernen Vorhang hat Franz Ludwig Weninger, zusammen mit seiner Frau Martina das elterliche Weingut übernommen und setzt den Hebel von Masse auf Klasse um. Mit viel Gespür für nachhaltigen Weinbau und handwerklichen Geschick macht er sich in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts einen Namen als Rotwein-Produzent erster Güte. Seine Weine sprachen für sich (und tun es noch immer – zuletzt hatte ich noch einen Blaufränkisch aus der Magnum vom Senior im Glas, der „gesungen“ hat).

Sohn Franz Reinhard Weninger war dabei stets an seiner Seite, wuchs in den Weinbergen auf und lernte schon früh das Handwerk seines Vaters. Nach Önologie-Studium in Klosterneuburg und lehrreichen Auslandserfahrungen wurde Franz Junior schließlich 2000 Kellermeister im neuen Weingut in Balf auf der ungarischen Seite des Neusiedlersees. Als es 2011 schließlich für Franz Senior Zeit wurde, in den wohlverdienten Ruhestand (naja, so richtig raus aus dem Betrieb, ist er nicht – kann er auch nicht) zu gehen, übernahm Sohn Franz auch das Weingut in Horitschon. Zusammen mit Frau Petra Gratzer-Weninger und seinen Söhnen Paul und Emil werden die Weingüter noch heute mit derselben Hingabe und Leidenschaft geführt wie einst vom Vater.

Dabei scheut sich Franz auch nicht, Altbewährtes infrage zu stellen und Dinge zu verändern. Gerade nach seinem Praktikum in Kalifornien war ihm klar, so will er nicht arbeiten! Keine schlechte Kopie der burgundischen Tradition oder toskanischen Machart sein, mit Aroma-Hefen und Enzymen, sondern eine ganz eigene Identität erschaffen. Zum Glück konnte er auch seinen Vater davon überzeugen und gemeinsam einen neuen Weg gehen. Spontangärung, Verzicht auf Filtration und die Verwendung damals unüblicher Gebinde für den Ausbau, wie Beton und Ton, zeigten seinen mutigen Ansatz, den er zunächst im ungarischen Weingut in Balf etablierte und schließlich auch ins heimische Horitschon mitbrachte. Die umfassendste Veränderung war aber zweifelsohne die Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung. Ab 2004 wurde zunächst biologisch kultiviert und seit 2006 nach der Steinerschen Lehre gearbeitet, die 2016 schließlich in eine Demeter-Zertifizierung mündete. Die 25 Hektar Weinberge erfreuen sich seitdem bester Gesundheit und geben vor allem dem Blaufränkisch eine wunderbare Grundlage. Hier und da gedeihen auch ein paar andere Rebsorten, wie Furmint, Welschriesling, Zweigelt und Spätburgunder, aber die große Leidenschaft gilt dem Blaufränkisch. Die Reben sind im Schnitt 40 bis 50 Jahre alt, perfekt, um die Eigenheiten der Lagen und des Terroirs wiederzugeben.

Um diese Ausgangslage unverfälscht ins Glas zu bekommen, wird im Keller auf alles verzichtet, was nicht nötig ist. Im Naturwein-Stil wird weder filtriert, geschwefelt, geschönt noch angereichert. Vergoren wird mit den Wildhefen und für die Stabilität liegen die Weine lange auf der Feinhefe. Der Ausbau erfolgt schließlich in großen Holzfässern, Beton-Eiern oder selbst getöpferten Tonamphoren (welche er mit einem lokalen Keramiker anfertigte). Das Resultat ist eine wirklich außerordentlich spannende Kollektion verschiedener Blaufränkisch, die zweifellos zu den besten in Österreich gehören und sich unter den Top-Rotweinen der Welt einreihen.

Bilder:
© Flaschenbilder: Weinkombinat Hugel – Jens Hugel
© Bilder vom Weingut: Philipp Breidler, Franz R. Weninger