Spätlese
Prädikat für Weine aus später und vollreif gelesenen Trauben – trocken oder mit Restsüße.
Die Spätlese ist das zweite der sechs deutschen Prädikate und steht zwischen Kabinett und Auslese. Sie bezeichnet Weine aus Trauben, die später und in vollreifem Zustand geerntet wurden. Durch die längere Zeit am Rebstock reichern die Beeren mehr Zucker und Aromen an. Das erforderliche Mindest-Mostgewicht liegt je nach Anbaugebiet und Rebsorte etwa zwischen 76 und 90 Grad Oechsle. Spätlesen wirken daher meist kraftvoller, dichter und aromatischer als Kabinettweine und besitzen oft ein gutes Reifepotenzial.
Wichtig: Das Prädikat sagt etwas über die Reife der Trauben aus, nicht über die Süße des fertigen Weins. Eine Spätlese kann trocken ausgebaut sein und trägt dann den Zusatz „trocken“ auf dem Etikett. Sie kann aber auch eine harmonische Restsüße besitzen, was besonders beim Riesling von der Mosel oder aus dem Rheingau ein Klassiker ist. Viele Weingüter des VDP verwenden die Bezeichnung heute nur noch für Weine mit Restsüße.
Um die Entstehung der Spätlese rankt sich eine berühmte Legende: Im Jahr 1775 soll der Kurier, der dem Weingut Schloss Johannisberg im Rheingau die Erlaubnis zur Lese überbringen sollte, mit großer Verspätung eingetroffen sein. Die Trauben waren inzwischen überreif und teils edelfaul. Der daraus gekelterte Wein erwies sich jedoch als hervorragend. Noch heute erinnert eine Statue des „Spätlesereiters“ auf Schloss Johannisberg an diese Geschichte.