Naturwein
Wein mit minimalen Eingriffen – spontan vergoren, meist unfiltriert und mit wenig oder ohne Schwefel.
Naturwein, international Natural Wine oder Vin Nature genannt, ist Wein, der mit möglichst wenigen Eingriffen erzeugt wird. Er gilt als besonders authentischer Ausdruck von Traube, Jahrgang und Terroir. Die Grundlage bilden biologisch oder biodynamisch bewirtschaftete Weinberge (manchmal mit, manchmal ohne Zertifizierung) und eine Lese von Hand. Im Keller vergären Naturweine spontan mit wilden Hefen. Sie werden meist weder geschönt noch filtriert, und Zusätze wie Reinzuchthefen, Enzyme, Zucker oder Säure sind tabu. Schwefel wird nur in sehr geringen Mengen oder gar nicht zugesetzt.
Anders als Biowein ist Naturwein in Deutschland und der EU gesetzlich nicht definiert. In Frankreich gibt es seit 2020 immerhin die anerkannte Bezeichnung „Vin Méthode Nature“ mit klaren Regeln für Anbau und Keller. Als Vordenker der Bewegung gilt der Winzer und Wissenschaftler Jules Chauvet aus dem Beaujolais, der schon Mitte des 20. Jahrhunderts für Weine ohne Zusätze eintrat.
Geschmacklich sind Naturweine oft lebendig, saftig und eigenständig. Manche zeigen eine leichte Trübung, einen Bodensatz oder eine feine Perlage, und sie können von Flasche zu Flasche etwas variieren. Das gehört zu ihrem Charakter. Da ihnen der schützende Schwefel weitgehend fehlt, reagieren sie allerdings empfindlicher auf Wärme und Sauerstoff. Sie sollten deshalb kühl gelagert und nach dem Öffnen bald getrunken werden. Typische Stile aus der Naturweinszene sind etwa Pét-Nat und Orange Wine.