Oxidiert
Wein, der durch zu viel Sauerstoff flach, bräunlich oder sherryartig wirkt – mal Fehler, mal Stil.
Als oxidiert bezeichnet man einen Wein, der zu viel Kontakt mit Sauerstoff hatte. Er verliert dadurch seine Frische und Frucht und schmeckt flach, müde oder sherryartig. Erkennen lässt sich das oft schon an der Farbe: Weißweine werden goldgelb bis bräunlich, Rotweine nehmen einen ziegelroten oder bräunlichen Ton an. Typische Aromen sind Noten von angeschlagenem, braun gewordenem Apfel, Nüssen oder Sherry. Ursachen sind etwa ein undichter Korken, zu warme Lagerung, ein zu geringer Schutz durch Schwefel oder eine geöffnete Flasche, die zu lange stand. Gesundheitlich ist ein oxidierter Wein unbedenklich, geschmacklich aber meist keine Freude mehr.
Oxidative Noten können allerdings auch gewollt sein. Dann spricht man eher von einem oxidativen Ausbau. Berühmte Beispiele sind Sherry, Madeira oder der Vin Jaune aus dem französischen Jura. Diese Weine reifen bewusst mit Sauerstoffkontakt und entwickeln dabei komplexe Aromen von Nüssen, Gewürzen und Trockenfrüchten. Auch manche Natur- und Orangeweine zeigen bewusst eine leicht oxidative Note.
Um ungewollte Oxidation zu vermeiden, sollten Weine kühl, dunkel und bei Naturkorken liegend gelagert werden. Geöffnete Flaschen schmecken mit Verschluss im Kühlschrank meist noch einige Tage gut. Weine mit wenig oder ohne Schwefel sollten dagegen eher zügig getrunken werden.