Oechsle
Maßeinheit für das Mostgewicht, also den Zuckergehalt der Trauben – Grundlage der deutschen Prädikate.
Oechsle ist die Maßeinheit für das Mostgewicht, also im Wesentlichen den Zuckergehalt des Traubenmosts. Verwendet wird sie in Deutschland, der Schweiz und Luxemburg. Benannt ist sie nach dem Pforzheimer Goldschmied und Erfinder Ferdinand Oechsle, der im 19. Jahrhundert eine Mostwaage zur Messung entwickelte. Das Prinzip ist einfach: Die Gradzahl gibt an, um wie viel Gramm ein Liter Most schwerer ist als ein Liter Wasser. Wiegt ein Liter Most beispielsweise 1.080 Gramm, hat er 80 Grad Oechsle (°Oe). Da der Zucker den größten Teil der gelösten Stoffe ausmacht, lässt sich daraus gut auf die Reife der Trauben und den späteren Alkoholgehalt schließen. Als grobe Faustregel ergeben 80 °Oe einen Wein mit rund 10,5 Prozent Alkohol, sofern er durchgegoren wird. Heute messen Winzer das Mostgewicht meist schon im Weinberg mit einem handlichen Refraktometer, um den idealen Lesezeitpunkt zu bestimmen.
In Deutschland ist das Mostgewicht die Grundlage der Prädikatsstufen. Je nach Anbaugebiet und Rebsorte gelten unterschiedliche Mindestwerte. Grob reicht die Spanne von etwa 70 °Oe für einen Kabinett bis über 150 °Oe für eine Trockenbeerenauslese. Für Eiswein gelten dieselben Mindestwerte wie für die Beerenauslese. Andere Länder nutzen eigene Maßeinheiten: In Österreich ist es die Klosterneuburger Mostwaage (°KMW), in Frankreich Baumé und in den USA Brix.